Steuertipps und -pflichten zum Jahresende

Halbjahresabschreibung, Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter und Übertragung stiller Reserven

Für Investitionen, welche noch vor dem 31.12.2017 getätigt und in Betrieb genommen werden, kann steuerlich noch eine Halbjahresabschreibung in 2017 geltend gemacht werden.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (bis EUR 400) können im Jahr der Anschaffung sofort zur Gänze ergebniswirksam angeschrieben werden.

Stille Reserven aus der Veräußerung von mindestens 7 Jahre alten Anlagegütern können unter bestimmten Voraussetzungen bei natürlichen Personen auf Ersatzbeschaffungen übertragen oder einer Übertragungsrücklage zugeführt werden.

Wertpapierdeckung für Pensionsrückstellung überprüfen

Am Schluss eines jeden Wirtschaftsjahres müssen Wertpapiere im Nennbetrag von mindestens 50% des am Schluss des vorangegangen Wirtschaftsjahres ausgewiesenen steuerlichen Pensionsrückstellungsbetrages im Betriebsvermögen vorhanden sein. Auf das Deckungserfordernis können auch Ansprüche aus einer Rückdeckungsversicherung angerechnet werden. Beträgt die Wertpapierdeckung auch nur vorübergehend weniger als die erforderlichen 50% der steuerlichen Rückstellung, so ist als Strafe der Gewinn um 30% der Wertpapierunterdeckung zu erhöhen (ausgenommen in dem Ausmaß, in welchem die Rückstellung infolge des Absinkens der Pensionsansprüche am Ende des Jahres nicht mehr ausgewiesen wird oder getilgte Wertpapiere binnen 2 Monate ersetzt werden).

Als deckungsfähige Wertpapiere gelten vor allem in EUR begebene Anleihen und Anleihefonds (wobei neben Anleihen österreichischer Schuldner auch Anleihen von in einem EU- bzw. EWR-Mitgliedstaat ansässigen Schuldnern zulässig sind, inländische Immobilienfonds sowie ausländische offene Immobilienfonds mit Sitz in einem EU- bzw. EWR-Staat.

Spenden aus dem Betriebsvermögen

Spenden aus dem Betriebsvermögen an bestimmte im Gesetz genannte begünstigte Institutionen sind bis maximal 10% des Gewinns des laufenden Wirtschaftsjahres steuerlich absetzbar. Als Obergrenze gilt der Gewinn vor Berücksichtigung des Gewinnfreibetrags. Damit derartige Spenden noch im Jahr 2017 abgesetzt werden können, müssen sie bis spätestens 31.12.2017 geleistet werden.

Zusätzlich zu diesen Spenden sind als Betriebsausgaben auch Geld- und Sachspenden im Zusammenhang mit der Hilfestellung bei (nationalen und internationalen) Katastrophen (insbesondere bei Hochwasser-, Erdrutsch, Vermurungs- und Lawinenschäden) absetzbar, und zwar betragsmäßig unbegrenzt! Voraussetzung ist, dass sie als Werbung entsprechend vermarktet werden (z.B. durch Erwähnung auf der Homepage oder in Werbeprospekten des Unternehmers).

Steuerlich absetzbar sind auch Sponsorbeiträge an diverse gemeinnützige, kulturelle, sportliche und ähnliche Institutionen (Oper, Museen, Sportvereine, etc.), wenn damit eine angemessene Gegenleistung in Form von Werbeleistungen verbunden ist. Bei derartigen Zahlungen handelt es sich dann nämlich nicht um Spenden, sondern um echten Werbeaufwand.

Gewinnfreibetrag

Der Gewinnfreibetrag steht allen natürlichen Personen unabhängig von der Gewinnermittlungsart zu und beträgt bis zu 13% des Gewinns, aber maximal EUR 45.350 pro Jahr. Für Gewinne bis EUR 175.000 steht ein Gewinnfreibetrag von 13% zu. Für Gewinne zwischen EUR 175.000 und EUR 350.000 können 7% und für Gewinne zwischen EUR 350.000 und 580.000 4,5% als Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Für Gewinne über EUR 580.000 gibt es keinen Gewinnfreibetrag.

Bis EUR 30.000 Gewinn steht der Gewinnfreibetrag von 13% jedem Steuerpflichtigen automatisch zu (sogenannter Grundfreibetrag EUR 3.900). Ist der Gewinn höher als EUR 30.000, so steht ein über den Grundfreibetrag hinausgehender (investitionsbedingter) Gewinnfreibetrag nur zu, wenn der Steuerpflichtige im betreffenden Jahr bestimmte Investitionen getätigt hat. Als Investitionen kommen abnutzbare körperliche Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren (zB Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, LKW, EDV, Gebäudeinvestitionen) in Frage.

Neben den erwähnten Sachanlagen können seit 01.01.2017 neben Wohnbauanleihen (oder Wandelschuldverschreibungen von Wohnbauaktiengesellschaften) auch wieder alle anderen Wertpapiere, welche zur Wertpapierdeckung einer Pensionsrückstellung zulässig sind, zur Deckung des Gewinnfreibetrags herangezogen werden. Diese Wertpapiere müssen ab dem Anschaffungszeitpunkt ebenfalls 4 Jahre als Anlagevermögen gewidmet werden.

Auch für selbständige Nebeneinkünfte (z.B. aus einem Werk- oder freien Dienstvertrag), Bezüge eines selbständig tätigen Gesellschafter-Geschäftsführers oder Aufsichtsrats- und Stiftungsvorstandsvergütungen steht der Gewinnfreibetrag zu.

Bei Inanspruchnahme einer Betriebsausgabenpauschalierung steht nur der Grundfreibetrag von EUR 3.900 zu; in diesem Fall kann durch Investitionen kein höherer Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden.

Steueroptimierung bei Einkünften aus Kapitalvermögen

Kapitaleinkünfte einer KöR bzw. einer NPO im Bereich der Vermögensverwaltung und außerhalb einer Versorgungs- und Unterstützungseinrichtung sind grundsätzlich körperschaftsteuerpflichtig. Ein unterjähriger Verlustausgleich von positiven (z.B. Anleihezinsen) und negativen (z.B. realisierte Kursverluste) Einkünften aus Kapitalvermögen ist dabei jedoch möglich. In einem Jahr endgültig entstandene Verluste können aber nicht in das nächste Jahr vorgetragen und mit zukünftigen positiven Einkünften verrechnet werden. Innerhalb der Depots bei einer Bank erfolgt der Verlustausgleich automatisch durch die Bank, ein Verlustausgleich zwischen Depots bei unterschiedlichen Banken kann jedoch nur im Veranlagungsweg erfolgen.

Es sollten daher noch vor dem Jahresende die Entwicklung Ihrer Kapitalveranlagungen sowie die in diesem Jahr entstandenen Gewinne und Verluste analysiert werden. Sollte sich aus Wertpapiertransaktionen insgesamt ein Verlust ergeben, können mögliche gewinnerzielende Wertpapiertransaktionen überlegt werden, um die in diesem Jahr entstandenen Verluste zumindest steuerlich noch zu verwerten. Sollte sich in diesem Jahr bisher aus den Wertpapiertransaktionen ein Gewinn ergeben, kann ein möglicher Verkauf von voraussichtlich verlustbringenden Wertpapieren überlegt werden, sofern mit keiner Wertaufholung mehr zu rechnen ist.

Zu beachten ist, dass Zinsen aus Bankguthaben sowie aus „Altanleihen“ (Anschaffung vor dem 1. April 2012) nicht in den Verlustausgleich einbezogen werden können.

Zuschuss für Entgeltfortzahlung an Dienstnehmer für Klein- und Mittelbetriebe

Klein- und Mittelbetriebe, die regelmäßig weniger als 51 Dienstnehmer beschäftigen, erhalten von der AUVA einen Zuschuss, wenn sie Dienstnehmern (auch geringfügig Beschäftigten) auf Grund eines unfallbedingten Krankenstands (Freizeit- oder Arbeitsunfall) das Entgelt für mehr als drei Tage fortzahlen müssen. Außerdem erhalten derartige Betriebe einen Zuschuss für die Entgeltfortzahlung bei sonstigen Krankenständen der Dienstnehmer, wenn der Krankenstand länger als 10 Tage dauert. In diesen Fällen wird der Zuschuss aber erst ab dem 11. Krankenstandstag gewährt.

Letztmalige Antragsmöglichkeit für die Energieabgabenvergütung 2012

Energieintensive Betriebe (dazu zählten bis 31.1.2011 auch Dienstleistungsunternehmen wie z.B. Hotels, Wäschereien,) können sich auf Antrag die bezahlten Energieabgaben, die für die Energieträger anfallen, die unmittelbar für den Produktionsprozess verwendet werden, rückerstatten lassen, wenn diese 0,5% des Nettoproduktionswertes (unter Berücksichtigung bestimmter Selbstbehalten) übersteigen. Der Antrag muss spätestens bis 5 Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in welchem der Vergütungsanspruch entstanden ist, beim zuständigen Finanzamt eingebracht werden.

Registrierkassen – Erstellung des verpflichtenden Jahresbelegs

Anbei die Information des Bundesministeriums für Finanzen zur Erstellung des Jahresbelegs aus der Registrierkasse:

„Vergessen Sie bitte nicht auf die Erstellung und Überprüfung Ihres Jahresbeleges.

Bitte beachten Sie am Jahresende diese beiden Schritte:

Schritt 1: Zum Abschluss Ihres Geschäftsjahres müssen Sie mit jeder Registrierkasse einen Jahresbeleg erstellen. Der Jahresbeleg ist der Monatsbeleg für Dezember. Wie jeder andere Monatsbeleg ist auch der Monatsbeleg Dezember ein Nullbeleg. Daher: Jahresbeleg = Monatsbeleg Dezember = Nullbeleg

Schritt 2: Zur verpflichtenden Überprüfung des Manipulationsschutzes Ihrer Registrierkassen brauchen Sie den Jahresbeleg.

Wie funktioniert´s?

Schritt 1: Erstellung des Jahresbeleges

Erstellen Sie Ihren Jahresbeleg (Monatsbeleg Dezember) bis zum 31. Dezember des Kalenderjahres. Der Jahresbeleg kann wie jeder andere Nullbeleg durch Eingabe des Wertes 0 erstellt werden. Diesen Ausdruck bewahren Sie bitte 7 Jahre lang auf.

Wenn Ihre Registrierkasse den Jahresbeleg elektronisch erstellt und über das Registrierkassen-Webservice zur Prüfung an FinanzOnline übermittelt, brauchen Sie den Jahresbeleg nicht auszudrucken und aufzuheben. Überprüfen Sie, ob Ihre Kasse diese Voraussetzungen erfüllt. Auch Ihr Kassenhersteller kann Ihnen dabei weiterhelfen.

Für die Erstellung des Jahresbeleges brauchen Sie die Signaturerstellungseinheit (Sicherheitskarte). Funktioniert diese gerade nicht, so erstellen und prüfen Sie Ihren Jahresbeleg bitte unmittelbar nach Ende des Ausfalls.

Schritt 2: Prüfung des Jahresbeleges

Die verpflichtende Überprüfung Ihres Manipulationsschutzes kann manuell mit der BMF Belegcheck-App oder automatisiert über ein Registrierkassen-Webservice durchgeführt werden.

Wichtig: Die Überprüfung des Jahresbeleges (manuell oder automatisiert) muss spätestens bis zum 15. Februar des Folgejahres passieren. Dies gilt auch, wenn diese verpflichtende Überprüfung durch Ihre steuerliche Vertretung erfolgt. Bitte beachten Sie diese Frist, denn eine Prüfung nach dem 15.2. könnte als Finanzordnungswidrigkeit ausgelegt werden.

Was tun, wenn…

…Sie ein Geschäft betreiben, das am 31.12. über Mitternacht hinaus Barumsätze erwirtschaftet?

Dann dürfen Sie den Jahresbeleg nach dem letzten Barumsatz des 31.12. bzw. unmittelbar vor Beginn des folgenden Geschäftstages erstellen, wenn Sie die Umsätze nach Mitternacht in Ihrer Buchhaltung dem 31.12. zurechnen.

…Sie einen Saisonbetrieb haben und Ihr letzter Barumsatz war z.B. im September?

Dann wird der Monatsbeleg September (Nullbeleg September) als Jahresbeleg akzeptiert. Die Prüfung dieses Beleges können Sie unmittelbar nach der Erstellung durchführen und müssen dafür nicht bis zum Ende des Kalenderjahres warten.“

Arbeitnehmerveranlagung 2012 sowie Rückzahlung von zu Unrecht einbehaltener Lohnsteuer des Jahres 2012 beantragen

Grundsätzlich kann – sofern nicht die Pflicht zur Durchführung einer Arbeitnehmerveranlagung (z.B. aufgrund mehrerer Dienstverhältnisse) besteht – eine Arbeitnehmerveranlagung bis zu fünf Jahre später abgegeben werden. Die Frist für die Abgabe der Arbeitnehmerveranlagung für 2012 endet am 31.12.2017.

Im Rahmen einer Arbeitnehmerveranlagung können eine Vielzahl von Ausgaben steuerwirksam abgesetzt werden, welche der Arbeitgeber im Rahmen der Lohnverrechnung nicht berücksichtigen kann, z.B.:

Werbungskosten (z.B. Fortbildungskosten, …)
Sonderausgaben (z.B. Spenden, …)
außergewöhnliche Belastungen (z.B. Begräbniskosten, …)

Auch wenn keine zusätzlichen Ausgaben abgesetzt werden können, kann es vorteilhaft sein, eine Arbeitnehmerveranlagung durchzuführen, weil selbst für den Fall, dass aufgrund zu geringer Einkünfte keine Lohnsteuer abgeführt wurde, durch Gutschrift der sogenannten Negativsteuer Sozialversicherungsbeiträge rückerstattet werden können.

Steueroptimierung durch Vermögenszuordnung

Aufgrund der in den letzten Jahren erweiterten Steuerpflicht von Kapitaleinkünften und  Einkünften aus Immobilienveräußerungen, sollte das Jahresende wieder zum Anlass genommen werden, um über eine steueroptimierte Vermögenszuordnung nachzudenken. Das einer Versorgungs- und Unterstützungseinrichtung einer KöR zweckgewidmete Vermögen kann sich sowohl auf Kapitalvermögen als auch auf Immobilien beziehen. Die Steuerbefreiung im Rahmen einer Versorgungseinrichtung umfasst neben der Kapitalertragsteuer auch die Immobilienertragsteuer. Die Widmung von Vermögen für Zwecke der Versorgungseinrichtung erfolgt formlos mittels Beschluss der Ordensleitung und Aufnahme in den Rechnungskreis der Versorgungseinrichtung. Für Kapitalveranlagungen bei Kreditinstituten ist darüber hinaus eine KESt-Befreiungserklärung abzugeben.

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